Polen reißt Sowjetdenkmäler ab: “Die Demontage ist wichtig für unsere Zukunft”

Stand: 24.11.2022 08:09

Die regierende PiS-Partei in Polen versprach früh, Rechnungen mit den Überresten der kommunistischen Geschichte zu begleichen. Immer mehr Gräber ziehen jetzt ein: Viele Denkmäler aus der Sowjetzeit werden abgerissen.

Von Martin Adam, ARD Studio Warschau

Ein Soldat der Roten Armee ist mit einem Maschinengewehr bewaffnet – der Mann auf dem Aufzug neben ihm mit einem Hammer. Langsam befreit er den Steinsoldaten der Roten Armee aus dem Obelisken, der seit Jahrzehnten über der polnischen Stadt Głubczyce wacht. Die Statue fällt nach vorne, nur das linke Bein bleibt.

Martin Adam

Karol Nawrocki, Leiter des Polnischen Instituts für nationales Erbe, IPN, steht in sicherer Entfernung. Es sei richtig, solche Statuen abzureißen, sagt er. „Für solche Denkmäler, für solche Symbole mit dem roten Stern ist im öffentlichen Raum des freien, unabhängigen und demokratischen Polens und des freien Europas kein Platz. Dieses Symbol steht für die Opfer der Verbrechen des kommunistischen Systems, die auch in der Zwischenkriegszeit zum Opfer fielen der systematische Völkermord an den Sowjets, die Opfer des von den Kommunisten ermordeten russischen Volkes.”

Auch Lesen :  Katar streicht bezahlten WM-Fans das Taschengeld

Polen macht seine Geschichte – zumindest den sowjetischen Teil. Mit der Nachkriegsgeschichte der heroischen Befreiung der Roten Armee können viele Polen nichts mehr anfangen. Wenn sie es jemals könnten, angesichts der Teilung Polens zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs, des Massakers an über 4.000 polnischen Soldaten durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im Wald von Katyn und der Zeit vor 1989 so viele in Polen wird als Besatzung interpretiert.

Allein in diesem Jahr fielen 25 Relikte

2016 verbot die PiS-geführte polnische Regierung Denkmäler, die offen den Kommunismus propagieren – es sei denn, sie gehören zu privaten Museen, dienen wissenschaftlichen oder pädagogischen Zwecken oder stehen auf einem Friedhof.

Auch Lesen :  Midterms: Wahlbehörde in Arizona weist nach Problemen mit Wahlmaschinen Betrugsvorwürfe zurück

2022 werde das Projekt durch den Angriff Russlands auf die Ukraine einen neuen Schub bekommen, erklärt Nawrocki. Allein seit März dieses Jahres wurden 25 Denkmäler abgerissen. 35 weitere stehen noch auf der IPN-Liste. „Leider dominieren bis heute sowohl das Symbol des roten Sterns als auch Marx, Engels, Lenin und Stalin die Gedanken der Herrscher der Russischen Föderation, die brutal versuchen, eine unabhängige Ukraine zu zerstören“, sagt er. „Wir sind nicht nur wegen der Vergangenheit hier, sondern auch, um zu sagen, dass der Abriss dieses Denkmals wichtig für unsere Zukunft ist.“

Kontroverse: Abriss oder Denkmal?

Der Streit um das Olsztyn-Denkmal in Masuren zeigt jedoch, dass es nicht so klar und eindeutig ist: Zwei Sterne, ein offener Triumphbogen, mit einem Rotarmisten und einem sowjetischen Panzer mitten in der Innenstadt – geschaffen vom Bildhauer. und der noch heute verehrte Auschwitz-Überlebende Xawery Dunikowski. IPN-Chef Nawrocki will abreißen, Bürgermeister Piotr Grzymowicz fragt lieber die Anwohner. „Die Mehrheit spricht sich dafür aus, das Denkmal zu erhalten und es zu einer Gedenk- und Bildungsstätte für Kinder zu machen“, erklärt Grzymowicz.

Auch Lesen :  Corona-Zahlen am 22.11.2022: Der Freistaat-Faktor

Er sprach auch mit Veteranen und Senioren. „Die Mehrheit war dafür, nicht vor der Geschichte davonzulaufen und sie nicht zu vergessen.“ Gerade weil das Denkmal eine Zeit darstellt, unter der viele Polen litten, dürfe es nicht verschwinden, sagt der Bürgermeister.

Die Polizei hat es jedoch mit den Reinigungskräften zu tun. Der vorläufige Kompromiss: Die Sterne sind noch da, nur Hammer und Sichel sind weggemeißelt.

Polen zerstört sowjetisches Denkmal

Martin Adam, ARD Warschau, 24.11.2022 06:50

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button