Adventskalender sind Trend und Tradition

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Adventskalender sind Trend und Tradition

Ein Adventskalender mit Pflegeprodukten steht in einem Kaufhaus. Ein Adventskalender mit Pflegeprodukten steht in einem Kaufhaus.

Ein Adventskalender mit Pflegeprodukten steht in einem Kaufhaus.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Öffnen Sie jeden Tag bis Heiligabend die Tür? Adventskalender werden längst nicht mehr nur aus Schokolade hergestellt. Das Geschäft mit den oft überteuerten Kalendern boomt. Warum, wie und seit wann?

vFreude ist die schönste Freude, sagen Folklore und Gelehrte. Der Adventskalender gehört für viele zum Dezember wie Lebkuchen, Stollen, Lichterketten, Kekse backen, Gänse essen oder der Besuch des Weihnachtsmarktes.

Der heute nicht mehr wegzudenkende Adventskalender ist laut Wissenschaftlern eine deutsche Erfindung. Wie wir es heute kennen, entstand es erst vor etwa 100 Jahren. Die ersten mit Schokolade gefüllten Modelle erschienen Mitte der 1920er Jahre, Adventskalender wurden ab den 1950er Jahren zur Massenware, seitdem gab es immer wieder neue Variationen, ob mit Schokolade, Spielzeug, Alkohol, Superfoods oder Sexspielzeug – immer mehr in letzter Zeit. Der Markt boomt.

Noch heute entscheiden sich viele Familien dafür, ihre eigenen Adventskalender mit Tüten zu basteln, die sie selbst füllen. Denn Branchenkalender kosten oft viel mehr als sie wert sind. Umgerechnet sind manche Schokoladenkalender zu einem unglaublichen Kilopreis angekommen. Trotzdem florieren Fertigkalender. „Obwohl die Adventskalender 2021 noch nicht an der 100-Millionen-Euro-Marke gekratzt haben, dürfte der Umsatz in diesem Jahr die 100-Millionen-Euro-Marke überschreiten“, sagt der Süßwaren-Branchenverband Sweets Global Network.

In einer YouGov-Umfrage geben 33 Prozent der deutschen Erwachsenen an, kein Geld für Adventskalender auszugeben. Aber 34 Prozent geben rund 11 bis 50 Euro aus – für sich oder ihre Liebsten. 12 Prozent geben an, dafür noch mehr auszugeben.

Die Kulturforscherin Esther Gajek von der Universität Regensburg beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Adventskalendern und weiß viel über ihre Geschichte: „Weihnachten war lange Zeit ein Kirchenfest mit der Weihnachtsvesper oder der Christmette als Höhepunkt. Im 19. Jahrhundert entwickelte es sich zu einem Familienfest.“ Die Stube, das Wohnzimmer, war als Weihnachtsstube eingerichtet. “Besonders beim Adel und dem protestantischen Bürgertum rückte das Schenken immer mehr in den Vordergrund: Die Tür geht auf, man sieht den leuchtenden Weihnachtsbaum und die Geschenke darunter.”

Kinder freuen sich auf diesen Moment. Und weil die Kinder so viel Vorfreude zeigten, dachten die Eltern ab Mitte des 19. Jahrhunderts an Dinge, die die Wartezeit auf das Fest organisierten, wie Gajek erzählt – sei es mit Kerzen, die jeden Tag nach und nach angezündet und auf Jesus bezogen werden sollten als Lichtquelle, ob als Adventskerze, die jeden Tag für den nächsten Sinn abbrennt, ob mit Bibelversprechen auf Fähnchen oder Blättern, oder kleinen Bildern zum Aufhängen oder einfach mit Kreidestrichen zum Wegwischen.

Traditionelles Christentum, dies begann oft mit dem 1. Advent. Da sein Datum immer der Sonntag nach dem 26. November ist, könnte es an Heiligabend 28 Überraschungen geben.

Recherchen zufolge wurde der erste gedruckte Adventskalender vor 120 Jahren, also 1902, hergestellt – von der evangelischen Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg. 1903 folgte der Verleger Gerhard Lang nach München. Er beschloss, unabhängig vom Jahr mit dem 1. Dezember zu beginnen, und druckte ein Blatt Papier mit 24 Bildern, die ausgeschnitten und auf ein Blatt Papier mit 24 Feldern geklebt werden konnten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Adventskalender ab den 1920er-Jahren zum Massenprodukt, wenn auch noch nicht millionenfach produziert. Die ersten Türkalender erschienen, bald auch mit Schokolade. „Die Entweihung der Motive ging sehr schnell“, sagt Gajek – auch wenn man bis in die 1960er Jahre zumindest an Tür 24 oft noch eine Krippe mit der Heiligen Familie sehen konnte.

„Seit rund 30 Jahren geht der Trend zu erwachsenen Kalendern, die mehr sind als der Pfennig-Adventskalender, der aufgerissen, gegessen und weggeworfen wird“, sagt Gajek. Sie sagt: „Als Forscher sehen wir Weihnachten als einen Feiertag, der sich ständig verändert und sich mit der Mode der Zeit verändert. Früher war es eher eine religiöse Heilssehnsucht, heute ist es – losgelöst vom christlichen Heilsbegriff – eher ein Zelebrieren der Sehnsucht nach Familie, Frieden, Harmonie und großen Emotionen. Es wurde stark. „Es geht – auch um Dinge wie den Adventskalender – um Vorfreude, das Bedürfnis nach dem Besonderen, um die Lust auf das Außergewöhnliche jenseits des Alltäglichen.“

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